Liberale Frauen Stuttgart

Stuttgart. Am 08.02.2018 fand in diesem Jahr die erste Veranstaltung der Liberalen Frauen, Bezirksverband Stuttgart, im Haus der Geschichte statt. Die aus Syrien stammende Rauaa Albakhit führte durch die Ausstellung.

Gabriele Heise, stv. Vorsitzende, begrüßte in Vertretung von Renata Alt, MdB und Vorsitzende der LiF Bezirksverband Stuttgart, die aufgrund einer kurzfristig anberaumten Sitzung leider erst später dazustoßen konnte, die große Anzahl der Teilnehmer/innen. Die Einführung in das Thema der Ausstellung, so auch die Vorstellung von Rauaa Albakhit versprach einen interesanten, vielversprechenden und spannenden Abend.

Einen Abend, der sich mit dem Terminus "Flucht" in ganz besonderer, persönlicher Art und Weise auseinandersetzen würde. Alle, die in den Vitrinen ausgestellten, respektive persönlichen Gegenstände, hatten ihre eigene "Überlebensgeschichte", die Rauaa Albakhit mit viel Emphatie und Sensibilität erläuterte.

Und wenn die 33-jährige erzählte, so war sie ganz nah beim Geschehen! Aus Syrien - Homs - über Ägypten - Alexandria - geflüchtet, hatte auch sie ihre Erlebnisse, ihre Erinnerungen, die nicht nur berührten, sondern wahrlich "unter die Haut" gingen. Selbst schwanger, mit drei Kindern und insgesamt 120 Personen sieben Tage auf einem 7m langen Boot auf dem Mittelmeer... kam sie vor vier Jahren im Spätsommer nach Europa und fand über Italien, München, Karlsruhe, Bad Rappenau in Stuttgart mit ihrem Mann und ihren nun vier Kindern ein neues Zuhause.

Albakhit selbst: "Ich habe so großes Glück gehabt". Sie erlernte die deutsche Sprache, die sie nun fließend beherrscht, sie engagiert sich in der Schule, im Sportverein und im Frauencafé der evang. Kirche und unterstützt andere syr. Flüchtlingsfrauen, die noch nicht so gut Deutsch sprechen wie sie. Unterstützung finden durch sie auch andere schwangere Frauen bei den Geburtsinfoabenden, die in den Kliniken stattfinden.

„Sehr zeitaufwendig war es“, so Albakhit, „diese Ausstellung vorzubereiten“... es dauerte neun Monate, bis man das eine oder andere Stück noch fand, das unweigerlich mit einem Teil des eigenen Überlebens verbunden war, an das man sich jedoch - verständlicherweise - nicht unbedingt wieder erinnern wollte. Viele der Geflüchteten warfen die alte Kleidung oder andere "Erinnerungen" einfach weg, um zu vergessen. So auch Rauaa Albakhit, die nach dem Krankenhausaufenthalt in Italien sehr gerne die weiße Kleidung einer Krankenschwester annahm. Mit all dieser, ihrer! Transparenz, die Rauaa Albahkit in, sichtlich in sich ruhender Offenheit darlegte, war es ihr gelungen, die Gäste des Abends sehr nachdenklich zu machen und einen anderen Blickwinkel auf das Thema einzunehmen. Ging doch von jeder einzelen Vitrine ein "stummer Schrei nach Hoffnung" für eine bessere Zukunft aus.

Im anschließenden Austausch, der große Diskussionsfreude nach sich zog, bedankte sich Renata Alt sehr herzlich bei Rauaa Albakhit für diese "besondere wie auch bewegende" Führung. Alt abschließend: "Nur diese Offenheit bringt uns näher, verbunden mit dem Verständnis, neue Wege und Sichtweisen für eine gemeinsame Zukunft, einen Zusammenhalt, zu sehen, zu akzeptieren und miteinander zu leben." (sw)