Liberale Frauen Ruhr

Ein Bericht von Monika Ingendorf

Essen. Im Vorfeld ihrer Mitgliederversammlung am Sonntag, dem 28.09.2014, trafen sich die Liberalen Frauen Ruhr zusammen mit einigen Gästen in der „Mischanlage“ der Zeche Zollverein in Essen. Der Grund für diesen Ort war die Ausstellung „1914 – Mitten in Europa“, ein Stück Zeitgeschichte mit Erinnerungen an den Ausbruch des 1. Weltkrieges.

In beklemmend wirkenden Räumen und Hallen waren die Fotos und Exponate untergebracht, die nicht nur die Phase der Aufrüstung mit immer perfideren Waffen zeigten, sondern natürlich die Schreckensbilder von verletzten und getöteten Soldaten. Dabei erschütterten besonders die „lebensecht“ nachgebauten Plastiken mit extremen Verstümmelungen. Die zunächst als Helden gefeierten versehrten und traumatisierten Rückkehrer aus den Kriegsgebieten wurden dann sehr schnell zu einem sozialen Problem im Nachkriegsdeutschland.

1914 - Mitten in Europa „1914 – Mitten in Europa“ Parallel zu den Kriegsgreueln wurde das Leben der damaligen Zeit in vielen Fotos, Plakaten, Kleidungsstücken und Haushaltsartikel dokumentiert. Es gab eine Fülle von technischen Entwicklungen, die sich aber nur die „Oberen 5000“ (!) leisten konnten.

Für uns Liberale Frauen war besonders spannend das Bild und die Stellung der Frau in der Gesellschaft. Im Bürgertum wurde die Frau darauf reduziert, an der Seite ihres in allen Lebenslagen dominierenden Ehemannes nur „hübsch auszusehen“. Rede- und Widerspruchsrecht fand nicht statt, schon garnicht bei politischen Themen. Die Frauen der extrem schlecht verdienenden Arbeiterklasse waren durch sehr anstrengende Arbeiten ohne technische Hilfsmittel zu erschöpft, um eigene Rechte einzufordern. Frauentag 1914 Frauentag 1914

Das Wahlrecht für Frauen war bis 1902 in Deutschland nicht vorhanden, ab 1902 erkämpften Frauenrechtlerinnen eine Lockerung des Vereins- und Verbandsrechtes und konnten damit an politischen Veranstaltungen teilnehmen, wenn auch nicht mit Rederecht. Nachdem im November 1918 die Republik ausgerufen wurde, wurde Frauen das aktive und passive Wahlrecht verfassungsmäßig eingeräumt. Allerdings wurde ihnen 1933 das passive Wahlrecht wieder genommen, d.h., sie konnten nicht gewählt werden. Erst seit dem 13. Mai 1949 heißt es im Grundgesetzt: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“!

Die vielfältigen Eindrücke der Ausstellung waren nach der Führung Thema beim Kaffeetrinken im „Bistro Butterbrot“ auf dem Zechengelände. Im Anschluß wurde die Mitgliederversammlung, geleitet von Susanne Schimanski (Vorsitzende LiF Ruhr), durchgeführt.

Zeche Zollverein